300.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr für Coppenbrügge
Montag, 29. März 2010

Hier schwebt das 13-Tonnen-Herzstück für Coppenbrügges Wasserversorgung aus Hameln ein - die Druckerhöhungs-Anlage der Stadtwerke Weserbergland 

 Von Ralph Lorenz

Hilligsfeld (wbn). Dipl.-Ingenieur Helmut Feldkötter, Geschäftsführer von den Stadtwerken Weserbergland, sieht sich als Perfektionist. Und was da im Moment abgeht, behagt ihm gar nicht. Er steht unweit vom Sportplatz in Hilligsfeld unterm gelben Stadtwerke-Regenschirm im Regen und wartet auf den Schwerlastkran. Seit eineinhalb Stunden.

Der Geschäftsführer wartet mit seinen Mitarbeitern, der Pressesprecherin, der lokalen Presse und Coppenbrügges Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka. „Alles hängt am Kran“, zuckt Feldkötter die Schultern und schaut rüber zum tannengrün gestrichenen Häuschen, das die Druckerhöhungsanlage beherbergt.

Das Ding, 13 Tonnen schwer, soll an seinen endgültigen Standplatz vom Tieflader herunter gehievt werden – wenn der Kran da ist. Der macht indessen eine Ehrenrunde um Hameln, weil es in dem teuren Spezialfahrzeug offenbar nicht zu einem Navi gereicht hat und zudem nicht die Straßendimensionen für den kürzesten Anfahrtsweg geeignet sind.

Feldkötter macht gleichwohl gute Miene zum bösen Spiel und harrt der Dinge – was er anfängt, bringt er auch zu Ende. So ist denn heute gegen 12 Uhr der offizielle symbolische Startschuss für den Bau der Wasserleitung zwischen Hameln und Coppenbrügge durch das Setzen der Druckerhöhungsanlage gefallen.  Das Projekt kostet 360.000 Euro - knapp die Hälfte trägt Coppenbrügge.

Fortsetzung von Seite 1

 Die Kranfahrt selbst dauert nur wenige Minuten und Feldkötter ist sich nunmehr sicher, dass spätestens ab Mai die Coppenbrügger Ortschaften Diedersen, Herkensen, Behrensen, Bessingen und Bisperode zuverlässig mit hochwertigem Trinkwasser aus der neuen Leitung versorgt werden können.

Für die Stadtwerke Weserbergland ist das auch das Signal für die Region, dass die kommunale Partnerschaft mit dem Energie-Nahversorger eine Art Lebensversicherung ist. Ursprünglich wollte Coppenbrügge seine Probleme mit der Wasserqualität im Ortsteil Diedersen selbst lösen. Die Härtegrade hätte man im Rathaus ja noch selbst in den Griff bekommen, dann kamen aber Testberichte einer überregionalen Verbraucherzeitung, die Befürchtungen aufkommen liessen, dass auch Diedersen zuviel natürliche Urananteile im Trinkwasser habe. Die ursprünglich mit einem Privatunternehmen ins Auge gefassten Lösungen erwiesen sich aber von Mal zu Mal kostspieliger, so dass die Notbremse gezogen werden musste und in Form des Partners Stadtwerke Weserbergland die rettende Lösung auftauchte. Das war, als ob wie im Western die rettende Kavallerie übern Ith geritten käme.

Peschka freut sich mit Feldkötter über die wirtschaftliche Lösung. „So kann der Wasserpreis günstig gehalten werden und es entstehen nur geringe Mehrbelastungen für die Haushalte.“ Die Druckerhöhungsanlage schafft den notwendigen Ausgleich über den Höhenunterschied von 90 Metern zwischen dem Hilligsfelder Wassernetz und den Wasserbehältern in Bisperode und Bessingen. Die 2,7 Kilometer neue, unterirdisch verlegte Wasserleitung von Hilligsfeld bis zum Einspeisepunkt in das Wassernetz Coppenbrügge ermöglicht auch eine nennenswerte Qualitätsverbesserung des Trinkwassers. Der Härtegrad kann von über 30 auf 23 Grad Deutscher Härte gesenkt werden. Und von dem kühlen Nass aus immerhin drei Wassereinzugsgebieten im Raum Hameln gibt es mehr als genug: Pro Jahr können bis zu 300.000 Kubikmeter Trinkwasser nach Coppenbrügge geliefert werden.

Auch wenn es heute Mittag hartnäckig geregnet hat – Ingenieur Feldkötter hat den Coppenbrügger Bürgermeister versorgungstechnisch keineswegs im Regen stehen lassen. Und Schirme gegen den Frühlingsregen gab’s auch noch.

Diese Seite weiterempfehlen ...